Jürgen Brodwolf – Magie der Tube

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Jürgen Brodwolf – Magie der Tube

Prof. Jürgen Brodwolf - Atelierbesuch

Jürgen Brodwolf entdeckte in den frühen sechziger Jahren die Tube – oder entdeckte die Tube ihn, als den Künstler, der allein sie zum Leben erwecken konnte? Denn was die Tube unter seiner Formung darstellt, ist nichts geringeres als menschliche Gestalt, figurativer Ausdruck von Persönlichkeit und aller damit verbundenen Potenziale und Gefährdungen. Die Tube ist für Brodwolf zur modernen Galatea geworden – jeder einzelnen Figur sieht man die Sehnsucht des Künstlers an, ihr Leben einzuhauchen, wie einst Pygmalion seiner Elfenbeinstatue.

Brodwolfs Welt ist ein eigener Kosmos, hat nichts gemein, mit dem flirrend-oberflächlichen Auftrumpfen des modernen, schnellebigen Kunstmarktes. Seine Arbeiten stellen auf nachdenkliche, manchmal auch beklemmende Weise, die Frage nach der menschlichen Existenz, nach der Begrenztheit des Seins und dem Vergehen alles Wollens und Begehrens – ein barockes Thema, das auch in unseren als modern empfundenen Zeiten nicht an Gültigkeit verloren hat.

Nicht anklagend oder larmoyant ist aber die Sprache des Bildhauers Brodwolf, eher versöhnlich weist sie darauf hin, dass – was aus Staub und Wasser geboren ist – auch dem Staube wieder zustrebt und doch – Spuren hinterlässt im Sediment des Weltengeschehens. Platonschen Höhlenschatten gleich mag die menschliche Existenz wohl sein – doch selbst im Vergehen ist sie noch wirksam und verstrahlt Energie. Der Künstler praktisch ist der Katalysator, den die Vergänglichkeit braucht, um in ihren Lamellen ein Abbild zu kristallisieren, das sichtbar und erfahrbar bleibt. Mag auch manches von Brodwolfs Werken an Mumien, beigesetzte Körper, ganze Nekropolen gar, erinnern, so wohnt diesen Objekten mehr Spannung und Leben inne, als mancher tatsächlich lebenden und atmenden Figur unter den Zeitgenossen.

Jürgen Brodwolf selbst strahlt diese Energie aus und die unbedingte Liebe zu seinen Objekten und seiner Kunst. Werk und Künstler sind eins – authentisch und in sich gefestigt, wie ein altvertrautes Liebespaar. Brodwolf ist einer der Künstler, die sich nicht entscheiden mussten, was sie werden wollten – die Kunst hat sie ausgewählt und in Besitz genommen, wie eine westafrikanische Gottheit, die sich ein Medium sucht.

Nichts selbstgefälliges ist an dem Mann, der immerhin an zwei Kunsthochschulen ordentlicher Professor war: In Pforzheim für darstellendes Zeichnen und danach lange Jahre an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, wo er einen Lehrstuhl für Bildhauerei innehatte. Die lange Liste seiner Ausstellungen, Kunstpreise und Ehrungen weist ihn als einen der ganz wichtigen Künstler Deutschlands aus. Doch spricht man mit ihm, ist er ein sprühender und bescheidener Mann, manchmal verliebt wie ein Kind – aber nicht in sich, sondern in seine Ideen und seine Arbeit.

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Jürgen Brodwolf wird in Asien und Australien vertreten von Hyun Mi Lee, Galeristin in Sydney und Kehl. In regelmäßigen Abständen besucht sie den Künstler in seinen Atelierräumen, um eine Auswahl für Kunstmessen und Ausstellungen mit ihm gemeinsam zusammenzustellen. Arbeiten von Jürgen Brodwolf sind schwer auf dem Markt zu bekommen und sehr beliebt bei Sammlern. Diese Arbeitssitzungen mit der Kamera zu begleiten, Künstler, Werke und die sehr spezielle Athmosphäre der Arbeitsräume im Zusammenklang zu erleben, ist ein intensives Ereignis voller visueller Herausforderungen – nicht allein wegen des verhaltenen Lichts und der sanft untersättigten Farben.

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Prof. Jürgen Brodwolf - Atelierbesuch

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