Kunstwerkstatt

2013 durfte ich ganz besondere Künstler mit der Kamera begleiten: Menschen mit Behinderung, die in der Kunstwerkstatt des Epilepsiezentrums Kork arbeiten. Meistens kommen sie an einem Vormittag oder Nachmittag in der Woche ins Atelier, um zu malen, mit Speckstein zu arbeiten oder zu zeichnen.

Die Kunsttherapeutin Eva Kleinmann-Benkeser gibt Impulse, geht auf die künstlerischen Äußerungen der Behinderten ein und lenkt behutsam, ohne den Arbeiten der Behinderten ihren eigenen Stempel aufzuzwingen. Oft kommen auch Mitarbeiter, Praktikanten oder Auszubildende mit in die Kunstwerkstatt, und es ergibt sich eine dichte, konzentrierte Zusammenarbeit, die erstaunliche Ergebnisse hervorbringt.

Mich hat besonders beeindruckt, das ganz ursprüngliche Entstehen von künstlerischem Ausdruck zu beobachten – Geburt einer Sternengalaxie. Menschen, die sonst ganz in sich versteckt sind, integriert in den klinischen und organisatorischen Ablauf dieser großen Diakonischen Einrichtung, gehen plötzlich aus sich heraus, expressiv oder impressiv, entwickeln ihren eigenen Stil, malen, vom gleichen inneren Drang getrieben, wie alle wirklichen Künstler. Ohne Kalkül, ohne Blick auf Sammler und Position im Kunstmarkt, rein in der Auseinandersetzung und mit der Freude an Formen und Farben – dem unmittelbaren Erleben von Linie und Farbe, Papier und Material, entstehen Kunstwerke, die wir bereits zu kennen meinen: Art Brut, Arte Povera, Informel, Fluxus, Action Painting – alles schon mal dagewesen und doch alles neu erfunden, aus der innerlichen Notwendigkeit dieser Künstler.

Ein Fotograf regt manche zunächst auf – aber es ist wie überall, wo man mit Kamera und Menschen arbeitet: Man muss sich das Vertrauen verdienen, sich unsichtbar machen oder von sich ablenken. Nach einer Weile wird man vergessen und die Unbefangenheit kehrt zurück.

Die Kunst aus der Kunstwerkstatt Kork ist sehr erfolgreich, hat Freunde und Förderer gefunden. Auch Sammler. Bereits zum wiederholten Mal wird sie auf internationalen Ausstellungen und Kunstmessen gezeigt – zumeist in grenzübserschreitenden Projekten mit dem unmittelbaren Nachbarland Frankreich. Aus diesen und anderen Bildern ist ein Booklett entstanden, das die Kunst der behinderten Künstler erklärt und weiterhin bekannt macht.

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