Portrait

 

 

Portrait

web-Lea-PortraitPortrait ist die Königsdisziplin der Fotografie – der Kunst überhaupt.

 

Bis ins vorletzte Jahrhundert war Portraitmalerei absolutes Privileg des Adels und Großbürgertums. Künstler riskierten ihren Hals, wenn sie einfache Menschen portraitierten. Im zaristischen Russland des 19. Jahrunderts wanderten die Peredvicniki – russische Wandermaler, die sich einem demokratischen Ideal von der Gleichheit aller Menschen verpflichtet fühlten – ins Gefängnis, weil sie es wagten, gemeine Arbeiter, Stahlkocher, Mägde, Bauern, Wolgaschiffer oder Industriearbeiter zu portraitieren.

Im Dezember 2013 – urteilte ein österreichisches Gericht, dass der gewerbliche Berufsstand des Fotografen nicht mehr existiere. Schließlich gäbe es heute digitale Kameras, es bedürfe also keiner besonderen Fähigkeiten mehr, ein brauchbares Foto zu erstellen. Bravo! Auch Juristen sind eigentlich obsolet – kann man doch praktisch jede Rechtsposition im Internet recherchieren.

 

web-Mädchen am Wasser

 

Im Zeitalter biometrischer Passfotos und digitaler Photoshop Nachbearbeitung kann man sich gerne der Illusion hingeben, jeder sei in der Lage, dank einer 20 MP Kamera ein gutes Portrait „zu schießen“.  Als ich meine fotografische Ausbildung machte, erklärte mir mein Meister – das Studio war spezialisiert auf Schmuck und Architektur – Portraitfotografie sei ihm viel zu schwierig, da sie viel zu viel Zeit beanspruche. Aber – falls es mich dennoch interessiere – es gebe zwei Arten von Fotografen, die wirklich gute Portraits abbilden könnten: Die einen machten hunderte von Fotos und suchten dann das beste heraus, die anderen bauten eine Beziehung zur Person auf, folgten ihr in verschiedenen Situationen und machten dann ein paar wenige Fotos, die das Innerste der Portraitieren erkenntlich machten.

 Edgar

Manchmal erschließt sich die ganze Persönlichkeit auch in einem einzigen, fast beiläufigen Bild, eher zufällig in einer Serie entstanden. Ein bisschen Glück gehört immer dazu – Erkenntnis und Einfühlungsvermögen sind sowieso unabdingbar.

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Portraitfotografie ist Persönlichkeit, Analyse und psychologische Offenbarung. Womit sich wohl erklärt, warum ich biometrische Passbilder, Bewerbungsfotos und oberflächliche Inszenierungen ablehne – gerade deshalb aber sind Portraitfotos für mich eine der spannendsten und lohnendsten Herausforderungen.

 

 

 

 

 

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